Erste plastikfreie Stadt Englands: Diese 5 Dinge können wir lernen

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Wie kann eine Stadt plastikfrei werden? Abiturienten des Schulzentrums Carl von Ossietzky in Bremerhaven haben sich diese Frage gestellt. Um Antworten zu bekommen, sind sie nach Penzance in Cornwall gereist. Warum ausgerechnet dorthin? Penzance gilt als erste plastikfreie Stadt Großbritanniens. Vor Ort sprachen sie nicht nur mit Bürgern, Geschäftsleuten und Anti-Plastik-Initiativen, sondern sammelten auch Müll an Stränden. Ihre Funde brachten sie mit nach Bremerhaven. Im Alfred-Wegener-Institut vergleichen sie den Abfall nun mit Müll, den sie am Strand in Bremerhaven gefunden haben.

Die Schüler stecken noch mitten in den Auswertungen. Was aber schon mit bloßem Auge zu erkennen war: In Penzance ist es tatsächlich sauberer. Wie die 21.000-Einwohner-Stadt das schafft? Die Abiturienten Sarina Kugele und Niklas Hand haben fünf Tipps, die sich auch in Bremerhaven und Bremen leicht umsetzen lassen:

Vergünstigungen für alle, die einen eigenen Kaffeebecher mitbringen

Wer in Penzance einen "Coffee to go" haben möchte, bekommt Rabatt, wenn er einen eigenen Becher mitbringt. "Das sind nur 10 Cent oder so, aber wenn man sich jeden Tag einen Kaffee holt, kommt da einiges zusammen", sagt Sarina Kugele. Die 18-Jährige ist sich sicher: Das lässt sich schnell umsetzen und sobald es ums Geld geht, machen auch mehr Leute mit.

Vorreiter mit Siegel auszeichnen

Plastikfreie Läden sind in Penzance an einem Siegel zu erkennen. "Das kommt bei den Leuten an", sagt Niklas. Die Innenstadt zog immer weniger Kunden an, alle fuhren in ein Einkaufszentrum außerhalb der Innenstadt. Seitdem die Läden in der Innenstadt weitgehend plastikfrei sind, kommen die Kunden wieder. "Die finden das gut und unterstützen die kleinen Läden in der Innenstadt. Größere Ketten im Einkaufszentrum haben es schwerer, so etwas schnell umzusetzen", sagt Niklas.

Aufklären und netzwerken

In Penzance haben sich Ehrenamtliche zusammengeschlossen, die Firmen und Geschäfte besuchen und ihnen Alternativen zu Plastik aufzeigen. "Wichtig ist, dass da niemand beschimpft wird, weil er Plastik nutzt, sondern er wird aufgefangen und unterstützt. Man guckt gemeinsam, wie Plastik vermieden werden kann", sagt Niklas Hand. Auf Infoabenden für verschiedene Branchen informieren die Ehrenamtlichen über Möglichkeiten, Plastik zu vermeiden. Zudem unterstützen sich die Geschäfte und Firmen in Penzance gegenseitig. Wer eine Lösung gefunden hat, teilt sie mit den anderen. Die Kontakte entstehen auch mithilfe der Ehrenamtlichen der Bürgerinitiative. "Dort ist eine richtige Plastikfrei-Bewegung entstanden", sagt Niklas. "Und die Gemeinschaft wächst zusammen."

Mehr Unverpackt-Läden

In Bremerhaven gibt es erst einen Unverpackt-Laden. Penzance sei da schon weiter, sagt Sarina Kugele. Sie berichtet von Supermärkten, in denen zum Beispiel große Tanks stehen, aus denen sich die Kunden ihr Müsli in mitgebrachte Dosen abfüllen. Die 18-Jährige spricht mittlerweile Ladenbesitzer hier in der Region an, um sie zum Umdenken zu bewegen. Einen kleinen Erfolg hatte sie schon: Ein Supermarktbesitzer hat nach einem Gespräch mit ihr Plastiktüten abgeschafft.

Auf Strohhalme und Co. verzichten

Der Klassiker: Auf Strohhalme, Einweggeschirr, Plastikbecher und -tüten wird in Penzance weitestgehend verzichtet. Nicht überall lässt sich Plastik leicht ersetzen, aber bei diesen Dingen ist das einfach, finden Niklas und Sarina. Strohhalme sind nicht unbedingt notwendig und lassen sich durch Nudeln oder Bambusröhrchen ersetzen. Selbst an Imbissbuden gibt es in Penzance Porzellangeschirr. Wer sein Essen mitnehmen will, bringt eigene Dosen mit. Zudem gibt es Leihsysteme: Einige Restaurants verpacken das Essen in Behältern und Beuteln, für die man Pfand zahlt. Bringt man die Behältnisse zurück, kriegt man den Pfand wieder oder die Dosen und Beutel werden neu befüllt. "Auf der Straße sieht man deutlich mehr Leute mit eigenen Beuteln oder Bechern als hier in Bremerhaven", berichtet Niklas.

In den kommenden Monaten wollen Sarina und Niklas ihre Ergebnisse zusammen mit ihrer Projektgruppe in öffentlichen Vorträgen, unter anderem bei örtlichen Firmen, präsentieren.

Highsea-Projekt am AWI

Die 17 Schüler, die nach Penzance gereist sind, nehmen am Highsea-Projekt des Alfred-Wegener-Instituts (AWI) in Bremerhaven teil. In der Oberstufe bereiten sie sich an zwei Tagen pro Woche zusammen mit Wissenschaftlern und Lehrern in den Fächern Biologie, Chemie, Mathematik und Englisch auf ihr Abitur vor. In allen anderen Fächern findet der Unterricht im Schulzentrum Carl von Ossietzky statt.