Achimer Kreisblatt. 03.12.16:
Fluchtszenario frei nach Mark Twain
Theater des Schulzentrums Carl von Ossietzky aus Bremerhaven inszeniert Jugendbuchklassiker „Huckleberry Finn“ mit aktuellem Dreh
Von Ingo Schmidt
Achim. Unter dem Titel „Die Erlebnisse des Huckleberry Finn“ inszenierte das Neue Theater CVO vom Schulzentrum Carl von Ossietzky in Bremerhaven am Freitagvormittag eine beeindruckende Interpretation des Mark-Twain-Klassikers.
Die Fünf- bis Achtklässler auf den Rängen im vollbesetzten Blauen Saal des Kulturhauses Alter Schützenhof (Kasch) sahen ein rasantes, mitreißendes Jugendtheater von Schülern für Schüler: Das junge Ensemble greift in seinem Stück das besondere Wesen der Hauptfigur auf und stellt den Charakter in einen neuen Kontext. Huck Finn ist ein Junge, der in seiner Umwelt verhaftet ist, diese aber auch in Frage stellt. Romangetreu muss er sich den Zivilisierungszwängen der Witwe Douglas und dem Spott seiner Kumpane erwehren und entflieht schließlich dem Hass seines aggressiven und pöbelnden Vaters. Huck strandet auf der Jackson-Inseln, wo er den entflohenen Sklaven Jim trifft. Beide beschließen die gemeinsame
Flucht auf einem Floß in Richtung Freiheit. Nun aber kippt die Handlung hin zum aktuellen Flüchtlingsdrama: In Schwimmwesten bewegen sich die Darsteller wankend auf dem Wasser und thematisieren Fluchtgründe und Ängste, karikieren Merkels Wankelmut und die Kölner Silvesternacht. Im Chor beschreiben sie ihre aussichtslose Lage selbst am Zielort. Nach diesem Zwischenspiel endet aber der Spuk und Jim und Huck setzen ihre Abenteuer fort in einer skurrilen Welt des amerikanischen Südwesten des 19. Jahrhunderts.
Den Zuschauern hat es hörbar gefallen und das Stück erschien wie für sie gemacht.

Finn Nest in der Rolle des Jim.

Ricardo Rusch brilliert als Huckleberry Finn.

Luca Müller führt das Ensemble mit Präzision. Ebenso Lucas Theo Klatt, Claudia Zwanzig und Paul Neumann.